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06.03.23 | 3 min

Ausbilden für den Arbeitsmarkt der Zukunft

Seit Dezember ist Prof. Dr. Barbara Bader Rektorin der Hochschule Luzern. Wir haben sie nach ihren Schwerpunkten und dem Verhältnis der HSLU und dem Wirtschaftsstandort Luzern gefragt.

© HSLU, Raisa Durandi

Wie erlebten Sie Luzern bisher? 

Spontan fallen mir zwei Eigenschaften ein: Offenherzig und kostenbewusst.

 

Was macht Luzern als Hochschulstandort attraktiv?

Die Antrittsbesuche während meiner ersten 100 Tage haben mir gezeigt, dass die Trägerkantone der HSLU innovative Forschungs- und Bildungsstandorte sein wollen. Die Dichte an renommierten Firmen und erstklassiger Ausbildung, Forschung und Entwicklung ist beeindruckend. Luzern setzt zudem Schwerpunkte im Bereich des digitalen Wandels und der Nachhaltigkeit. Beides meiner Meinung nach wichtige Themen unserer Zeit. Und nah dran zu sein, an den Themen der Zeit, den Bedürfnissen von Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur, treibt sowohl die HSLU als auch mich persönlich an. 

 

Warum ist diese Nähe für die HSLU so wichtig?

Wir wollen bewegen – uns selbst und unsere Umwelt. Der stete Dialog mit Stakeholdern ist dafür entscheidend. Zahlreiche Weiterentwicklungen der HSLU sind auf Impulse aus Wirtschaft und Gesellschaft zurückzuführen. Bestes Beispiel dafür ist unser Departement Informatik, das aufgrund der rasanten IT-Entwicklungen und des Fachkräfte- und Forschungsmangels 2016 in Rotkreuz gegründet wurde. Aktuell prüfen wir im Auftrag unserer Trägerkantone gemeinsam mit dem Gesundheitszentrum XUND die Lancierung eines Schwerpunktes Gesundheit. Auch hier folgen wir einer Versorgungslogik: Im Zuge der Pflegeinitiative wollen wir uns an der Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Zentralschweiz beteiligen und daneben einen Beitrag zur praxisnahen, professionellen Weiterentwicklung des Pflegepersonals an den Schnittstellen zu bestehenden Angeboten der HSLU leisten – dazu gehören z. B. Medizintechnik aber auch Gesundheitsmanagement oder Digital Health.

 

Welche weiteren gesellschaftlich und wirtschaftlich wichtigen Themen stehen jetzt gerade bei der HSLU an?

Dem Thema Nachhaltigkeit kommt ein hoher Stellenwert zu. Es ist unser Auftrag, in Ausbildung, Forschung und Weiterbildung nachhaltige und zukunftsfähige Impulse zu geben und entsprechende Produkte zu entwickeln. Unseren Studierenden wollen wir ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltiges Denken und Handeln vermitteln. In diesem Sinne werden wir demnächst mit einem neuen MAS «Netto-Null in Unternehmen» und einem Bachelorstudiengang in «International Sustainable Tourism» an den Start gehen. Zudem gilt es, Nachhaltigkeit im Betrieb der Hochschule vorzuleben. Der neue Campus Horw für unser Departement Technik & Architektur und die PHLU werden hier neue Massstäbe setzen. Es würde sich auch lohnen, gemeinsam mit Kanton und Gemeinden ein nachhaltiges Mobilitätskonzept zu entwickeln, z.B. ein zusammenhängendes Velonetz, das sämtliche Standorte der Universität, der PHLU und der HSLU verbindet. Rund 14’000 Studierende und 3’600 Mitarbeitende würden davon profitieren.

 

Wie trägt die Hochschule Luzern zur Attraktivität des Kantons und Wirtschaftsstandorts Luzern bei?

Grundsätzlich: Mit allem, was wir tun. Damit meine ich unsere Aus- und Weiterbildungen, aber auch unsere beachtlichen Forschungsleistungen. Mit über 60 praxisnahen Studiengängen ist HSLU die grösste Bildungsinstitution der Zentralschweiz; rund ein Viertel unserer Studierenden kommt aus dem Kanton Luzern. Mehr als die Hälfte unserer Studierenden bleibt nach dem Abschluss in der Region; sie bringen als gesuchte Fachkräfte frische Impulse und aktuelles Wissen in die hiesigen Unternehmen. 

 

Sie haben auch Weiterbildung und Forschung erwähnt.

Ja. Beides stärkt den Innovations- und Wirtschaftsstandort Zentralschweiz. Die HSLU bietet rund 550 Weiterbildungsprogramme an, vom Fachkurs bis zum Executive MBA. Davon profitieren jährlich rund 12'000 Personen. Life Long Learning ist heute bedeutsamer denn je. sowohl für die individuelle berufliche Entwicklung als auch für die Zukunftsfähigkeit von Firmen. Das zeigt folgendes Gedankenspiel: Studierende, die 2023 ihr Studium an der HSLU abschliessen, werden voraussichtlich bis 2065 im Erwerbsleben bleiben. Ob ihr ursprüngliches Berufsfeld dann noch existiert, ist schwer vorhersehbar. Was wir mit Bestimmtheit sagen können, ist: Die Anforderungen werden andere sein als heute. Bewusst konzipieren wir deshalb unsere Aus- und Weiterbildungsangebote im Austausch sowohl mit Alumni als auch mit Wirtschaftspartnern. Hinweisen möchte ich auch noch auf die Vielzahl erfolgreicher Forschungs- und Entwicklungsprojekte zwischen der HSLU und Unternehmen aus der Region. Gerade für Firmen ohne eigene R&D-Abteilungen entstehen hier wertvolle Innovationsdynamiken und Synergieeffekte. Der Wissens- und Technologietransfer von den Hochschulen in die Wirtschaft ist in Luzern sehr gut etabliert.

Sarah Bieri
Projektleiterin Marketing/Kommunikation

Telefon +41 41 367 44 09